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Ständig Krise und Migräne

Wenn die Welt immer schneller wird

Ein Thema, welches mir momentan ständig begegnet – im Gespräch mit Klientinnen und auch als Migränikerin privat: Die Welt um uns herum fühlt sich zunehmend immer schneller an. Das Tempo steigt. „Rasend“ scheint normal zu sein. In der Technik, in der Politik, sogar das Klima verändert sich gefühlt rasend. Und viele von uns haben das Gefühl, sie kommen nicht mehr mit. „Man kommt gar nicht hinterher!“, höre ich regelmäßig von Klienten. Es geht zu schnell, es ist zu viel auf einmal in Veränderung. Unser Hirn hängt noch beim Buchcover fest, während die KI nicht nur das Buch, sondern bereits das ganze Buchregal schon lange durchgelesen hat. Hilfe! 🙂

Ursachenforschung

Warum fühlen sich viele Menschen zunehmend überfordert? Und was könnte das mit Migräne zu tun haben? Erst einmal zur Ursache. Eine Theorie meinerseits ist, dass unser Nervensystem durch die Corona-Krise nach wie vor überreguliert ist. Heißt: Der Alarmknopf ist immer noch „an“. Das Gefühl von Grundsicherheit ist durch die Coronazeit maßgeblich negativ beeinflusst worden, die herausfordernde Situation ließ unseren Stresspegel ansteigen. Darauf weisen auch Studien hin, wie z.B. aktuell gerade eine Studie der Techniker Krankenkasse bei Studierenden. Das eigene Stressempfinden lag bei den Studierenden in 2015, also vor der Coronazeit, bei 23%. Während der Coronakrise wurden dann Spitzenwerte von 44%  erreicht. 2026, also mehrere Jahre nach der Krise, fühlen sich aber immer noch 41% der Studierenden „häufig gestresst“! Der Stress sinkt also nur sehr langsam wieder ab.

Die Unsicherheits-Spirale

Und nun trifft auf dieses angespannte Nervensystem, das eigentlich Erholung benötigen würde, Unsicherheit! Und zwar auf vielen Ebenen. Zum Beispiel in Form von wirtschaftlicher Veränderung. „Was ist denn nun los?“, werden sich die älteren Leser unter uns vermutlich in den letzten Jahren mehr als einmal gefragt haben. Wirtschaftskrisen sind ein Erfahrungswert, den die meisten Deutschen definitiv nicht in ihrer Skill-Kiste haben. Das macht was mit uns, Ängste, Wut, Schuldzuweisungen.

Einhergehend damit drängt rasante politische Veränderung einher. Was die Unsicherheits-Spirale nur noch verstärkt. Und unser Nervensystem? Das fährt nicht runter- es fährt wieder hoch! Schließlich müssen wir ja was tun. Die Demokratie schützen, unser Vermögen in Sicherheit bringen, unsere Jobs sichern. Wie soll sich unser Nervensystem denn da bitte entspannen? Und als wenn das nicht Herausforderung genug wäre, betritt zeitgleich auch noch das Thema KI unser Leben. Genau wie die Veränderungen in Wirtschaft und Politik erleben wir die Technik zunehmend als etwas, dass wir nicht mehr beeinflussen können. Die Zusammenhänge von all diesen Gebieten werden komplexer, schwarz und weiß ist schon lange aus.

Unser Nervensystem muss lernen im Graubereich zu leben. Und hat das nicht so gerne…

Ich nehme mich selbst nicht davon aus. Nehmen wir mal das Beispiel Technik. Ich bin 44 Jahre, ich bin also wie man so schön neudeutsch sagt die erste Generation der Digital Natives. Ich bin mit dem Internet, mit dem Handy aufgewachsen und dann kam nach und nach immer mehr Technik dazu. Step by Step. Das ging gut. Da kam ich optimal mit. Mir hat das richtig Spaß gemacht, das alles zu erlernen. Aber dieser Spaß ist mir in den letzten Jahren verloren gegangen. Stattdessen hat sich das Gefühl der latenten Hilflosigkeit eingestellt. Denn „KI lernen“ ist wesentlich komplexer als in den 90ern zu verstehen, wie ich mich ins Internet einwählen konnte. Dazu verändert es sich auch noch nonstop. Entwickelt sich weiter. Überholt mich von rechts, von links, gefühlt auch von vorne als Gegenverkehr. Egal, was ich tue, es ist wie bei der Geschichte vom Hasen und dem Igel: Wie sehr ich mich auch anstrenge, wie schnell ich auch renne, das Teil ist schon lange vor mir da.

Was das nun mit Migräne zu tun hat…

Nun könnte man sagen: „Das geht ja allen Menschen so. Damit müssen wir alle zurechtkommen.“ Das ist richtig. Aus meiner Sicht ist die momentane Konstellation aber insbesondere für Menschen mit Migräne anstrengend.

Zum einen mag unser Migränehirn Veränderung nicht so sehr. Das hat mit der Reizverarbeitung unseres Hirns zu tun. Durch eine Filterfunktionsstörung filtert unser Gehirn weniger Reize heraus, so dass viel mehr Reize von uns aufgenommen und verarbeitet werden müssen als bei Menschen ohne Migräne. Ständige Veränderung ist also anstrengend für uns Migränebetroffene – und kann in Migräneattacken gipfeln.  

„Ich muss mithalten!!“

Zum anderen triggert die momentan unsichere Gemengelage bei vielen Migränikern ein Gefühl an, dass sie in ihrem Leben eh immer wieder haben: Nämlich mithalten zu müssen, egal, ob es guttut oder nicht. Und wenn sich etwas immer schneller dreht, ist die allererste Idee zumeist: Dann muss ich eben auch schneller werden. Mehr leisten. Mehr lernen. In der Hoffnung, dass sich das Gefühl der Unsicherheit dann verflüchtigt. Das tut es aber nicht, denn dann stoßen wir an unsere körperlichen Grenzen z.B. in Form von Migräne. Eines der häufigsten Themen bei mir im Coaching. Gerade weil wir spüren, was unser Migräne-Hochleistungsgehirn alles zu leisten vermag, kämpfen so viele von uns damit, die eigene, körperliche Begrenztheit zu akzeptieren. Weil da immer der Gedanke lauert: „Ich muss das auch können, schaffen, leisten. Und eigentlich kann ich das sogar geiler, schneller und besser als die anderen!“ Eigentlich.

Was macht man nun damit?

Ob als Coach oder als Privatperson, meine Antwort auf diese Frage fällt für mich gleich aus. Sie haben 3 Möglichkeiten, aus denen Sie wählen können.

Variante A: Mitmachen, irgendwie.

Ohne Rücksicht auf Verluste oder uns selbst mitmachen. Durchhalten, mithalten, noch mehr lernen, noch schneller rennen, die hohe Schlagzahl irgendwie ertragen, immer gegen das innere Hilflosigkeitsgefühl ankämpfend.

Nachteil: Ihr Migränegehirn ist mit dieser Variante meist nicht so glücklich, dafür ist sie gesellschaftlich leider anerkannt. Anders gesagt: Sie „funktionieren“ weiterhin im sozialen Gesamtgefüge, zahlen möglicherweise aber mit Attacken dafür. Und verstehen Sie mich nicht falsch, man kann das so leben und ich verstehe jeden, der das so macht. Wenn Sie aber das Gefühl haben, dass sei die einzige Variante, die Sie treffen können, lassen Sie sich gesagt sein: Das ist sie nicht! Es ist vielleicht nur die Einzige, die Ihr Hirn bisher als „sicher“ betrachtet. Und daran lässt sich arbeiten! Klammer auf, Coaching hilft, Klammer zu.

Variante B: Abkapseln

Man könnte natürlich auch sagen: „Ich mach da nicht mit, vergiss es! Das tut mir nicht gut.“ Und sich abkapseln. Aussteigen aus der ganzen Veränderungs-Bredouille. Wenn Sie das, was mit unserer Gesellschaft gerade passiert, nicht ertragen. Wenn Ihnen die wirtschaftliche Lage gerade Angst macht. Dann können Sie sich auch sagen: „Ich kann eh nix tun, dann beschäftige ich mich ab jetzt nicht mehr damit.“. Dann lesen Sie keine News mehr und konzentrieren sich ab jetzt allein auf das, was Sie unmittelbar betrifft. Und das kann sogar klappen.

Nachteil: Das klappt meist nur eine Zeitlang. Denn selbst wenn Sie sich weigern, sich mit KI, der wirtschaftlichen Lage oder der Klima-Krise auseinanderzusetzen, werden Ihnen all diese Dinge dennoch auf kurz oder lang in Ihrem Alltag begegnen. Und sei es, wenn Sie das allererste Mal Wasser in Ihrem Keller stehen haben oder Ihr Chef Ihnen eines Tages eröffnet, dass Sie von nun an mit KI arbeiten müssen, ob Sie wollen oder nicht.

Variante C: Your Way

Die mit Abstand gesündeste Variante. Sie finden Ihren Mittelweg in diesem geschwindigkeitsgetriebenem Ambiente. Und meist beinhaltet der eben nicht „blind mitzuhalten“ oder sich „abzukapseln“, sondern die Balance zu finden und sich auf die Bereiche zu konzentrieren, die in diesem Moment wirklich relevant für Sie sind. Und die Ihrem Migränehirn bestenfalls sogar helfen!

Technik & KI? Es reicht völlig, wenn Sie sich erstmal auf die hilfreichen Dinge beschränken, die Ihnen Freude machen. Ein Sportprogramm ganz zugeschnitten auf ihre Bedürfnisse mal von der KI vorschlagen lassen. Den Garten herbstfit machen mit Hilfe der KI. Sie müssen ja nicht gleich der neue Durchstarter im Silicon Valley zu werden!

Politik? Überprüfen Sie, welche Verhaltensweisen Ihnen helfen und welche schaden. Tut es Ihnen wirklich gut, gar keine Nachrichten zu lesen- oder ist hilfreicher, wenn Sie noch etwas von der Realität mitbekommen aber die Anzahl der auf Sie einströmenden Nachrichten reduzieren? Denken Sie an Ihr reizsensitives Hirn. Regt es Sie auf, dass bei Social Media Mitmenschen nonstop Ihre politische Meinung kundtun? Warum verbringen Sie dann noch so viel Zeit dort? Oder haben Sie vielleicht ein schlechtes Gewissen, wenn sie an keiner Demonstration teilnehmen (aus Migränesicht kann ich das sehr gut verstehen), sie wollen sich aber dennoch politisch nützlich machen? Unterstützen Sie NGOs und Projekte an die Sie glauben z.b. mit Spenden. Nicht jeder ist auf der Straße am Besten aufgehoben.

Egal um was es geht, statt „Ich mache das so gut, wie es nur eben geht!“ denken Sie von jetzt an: „Ich mache das so gut wie ich kann!“ Nehmen Sie das, was sich für Sie richtig anfühlt. Rennen Sie eine Runde im Veränderungskreis mit, wenn Sie müssen- und erinnern Sie sich dann daran, dass Sie auch wieder damit aufhören dürfen. Ihrem Nervensystem zuliebe.

Nachteil: Das eigene Ding zu machen, ist gar nicht so leicht – und kann sogar Menschen um Sie herum triggern. Denn das bedeutet Veränderung für diese – und nicht nur Migräniker mögen die nicht 🙂

Wenn Sie gerne mehr Ihr Ding machen würden, aber…

Wenn Ihnen die 3. Variante am Besten gefällt, aber bisher nicht so leichtfällt, dann üben Sie das doch mit mir. Entweder im Migräne-Coaching oder auf körperlicher Ebene In meinem Migräne Relax-Format. Dort können Sie sich in einem sicheren Raum ausprobieren und die richtungsweisende Erfahrung machen, wie sicher sie sich selbst in Veränderung und sogar mit Migräne in Ihrem Körper fühlen können! Mehr Informationen finden Sie hier.


Quelle: Techniker Krankenkasse, TK-Dossier „Wie geht’s Deutschlands Studierenden?“, 2026 https://www.tk.de/resource/blob/2218972/028cedab7e3d9a59ce463cc7e697cf8d/deutschlands-studierende-data.pdf